Plateau – ein monatlicher Vorgeschmack auf die freien darstellenden Künste in Hamburg mit Heike Bröckerhoff und Moritz Frischkorn.
Sendung vom 21.11.2018 auf FSK

Zu Gast: Sabine Glenz und Jannis Klasing für AUSSCHWÄRMEN
Mit Ankündigungen und Berichten zu
BROT + |____| organisiert vom DfdK im Theater in der Marzipanfabrik
AYIU performing Jelly von Lucie Schröder mit Textauszügen von Teresa Hoffmann*
INSTINCT von Marie Golüke
FÜR MICH von Antje Pfundtner
THE VOICE OF SHANNON von Clara Alisch und Kevin Westphal alias Power, Corruption and Lies
WILL I DREAM DURING THE PROCESS von Véronique Langlott
SATELLITE ON EARTH (Ann-Kathrin Quednau und Tobias Gronau) und Milian Otto
ERKLÄRUNG DER VIELEN (www.dievielen.de/)

*den vollständigen Bericht von Teresa Hoffmann findet ihr unter: : plateauhamburg.de/2018/11/09/aiyu-…lucie-schroeder/

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Das Radio Magazin der digitalen Platform
www.plateauhamburg.de

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Ein runder aufgeblasener Raum in einem eckigen Raum – getrennt sind sie durch einen Reißverschluss. Die Besucher_innen sind ganz alleine mit einer Karaokemaschine, einem Schuhregal und einem Telefon. Hello. If you go, will you miss me while you look for yourself out there? 


Mit AIYU schafft Lucie Schroeder einen Raum für detaillierte Blicke auf uns selbst und die anderen, weckt Sehnsüchte durch Songtexte und kreiert ein Lagerfeuer im Iglu.

Welcome. Die Performerin erscheint sowohl erwartungsvoll als auch diskret im Flur, in ihrer Hand ein Mikrofon und Moderationskarten. Es wird das erste und letzte Mal sein, dass wir ihr begegnen.
Eine Person nach der anderen geht auf sie zu, spricht den von ihr angebotenen Satz in das Mikrofon und führt ihren Weg fort in den Hauptraum. Die verschiedenen Stimmen der Eintretenden nähen den Text zusammen. If you wanna talk for hours, just go ahead now. Die Naht wird porös, wenn eine Stimme sich zu sehr von den anderen unterscheidet. Schüchterne, laute, zögerliche, unsichere, überzeugte, leise Stimmen. Der Faden des Textes verliert sich leicht in der Unterschiedlichkeit dieser Stimmen, dafür entsteht ein Faden der Vielstimmigkeit.
Alle die schon im Raum angekommen sind, lauschen den Sätzen der Nachrückenden, die sie aus dem Lautsprecher erreichen. Wenn kurz nach jedem Satz der echte physische, stumme Körper erscheint, will es nicht gelingen, ihn und seine Stimme zusammenzubringen. Wieder eine getrennte Naht. Ein kleines, sonderbares Erschüttern der eigenen Wahrnehmung. I`ve been wondering if all the things I`ve seen were ever real.
Der Raum füllt sich allmählich. Mit jedem Körper entsteht eine neue Organisation. Der Sound pfeift durch den Raum so, wie es im Sound selbst pfeift, windet und plätschert. Eine Besucherin wird sich später trauen selbst zu pfeifen, weil sie Lust bekommt etwas Provozierendes zu tun (wie sie nach der Performance verriet). All we ever wanted was everything.
Ein Knopf, ein Telefon, ein Schuhlöffel auf dem kleinen Regal an der Wand – Unaufdringlich sprechen die Objekte zu uns, deuten Spuren an. There were hints and allegations.
Die Zögerlichkeit der Gemeinschaft bläst sich auf wie der weiße riesige Kokon im Raum, noch nicht betretbar wegen des zugezogenen Reißverschlusses. Sind wir schüchtern oder mögen wir die Spannung der Unwissenheit über den weiteren Verlauf? Hören wir der Unwissenheit zu? Sind wir schüchtern weil hier jede Geste ein Zeigen wird? Sind wir überhaupt schüchtern? And can we act like we come from out of this world?
Aufmerksam beobachten wir einander: jede Bewegung, Handlung und Entscheidung. Endlich drückt jemand auf den verheißungsvollen Knopf. Text erscheint auf dem Bildschirm daneben. Jemand entdeckt das Mikrophon neben dem Bildschirm. Jemand beginnt den Text in das Mikrophon zu sprechen.
Kurzzeitig ist eine wohltuende Ordnung hergestellt: Drücken, Text, Lesen, Drücken, Text, Lesen, Drücken… Dann lässt eine längere Pause so manchen Atem anhalten. Ungedulds-Tropfen fügen sich am Boden zu einer Pfütze zusammen. Sie fallen synchron zum kurz erscheinenden Beat im Soundtrack. Jemand im Raum wischt die Pfütze mit einem Knopfdruck weg: Please let us start. Find a comfortable position. Breathe in and out deeply. Ein paar Eingeladene, das Angebot Annehmende oder Sich-Aufgefordert Fühlende lassen den Atem hörbar ein- und ausströmen.
Ein weiterer Hinweis im Text verrät den Besucher_innen den Zugang zum Kokon. Für alle die schon ganz woanders waren, holt das Geräusch des Reißverschlusses sie zurück in die Realität, um in eine andere einzutreten: durch den nun geöffneten Schlitz des Kokons bläst ein überraschender Luftzug die Haare aus dem Gesicht. Der Einstieg erinnert an das Hineinwuchten des Körpers in ein Zelt. Einige der Besucher_innen setzen, legen, kauern sich im Kokon um eine gleißend weiße Lampe herum und polstern verschiedene Körperteile mit klinisch anmutenden Schaumstoffkissen. Es wäre eine Stimmung wie im Eisschrank, wenn nicht der Kreis der Menschen eine Geselligkeit in diesen Kokon hineinschriebe, die aus der Lampe ein Lagerfeuer werden lässt. No end and no beginning. You’re here with me it’s like a dream. Das Telefon klingelt und erinnert die Anwesenden an seine Existenz. Die Stimmen am anderen Ende der Leitung erfüllen den Raum mit sich überlagernden, trocken eingesprochenen Fetzen aus Songtexten – der Anruf entpuppt sich als Hörspiel. Der inhaltliche Pathos der Songtexte ohne den gesanglichen Pathos verdreifacht die Intensität des Inhalts. Man könnte die Idee bekommen, dass sich auf der Erde bald alle nur noch in Songtextfetzen unterhalten – eine fast genüssliche Vorstellung.
AIYU ist ein Raum, in dem die Naht zwischen der Wahrnehmung der alltäglichen Realität – das Füße-Wippen der Nachbar_innen, der wackelnde Bildschirm, der harte Boden im Kokon, die Ungeduld, das Zipper-Geräusch – und einer Atmosphäre, die einen hinfort trägt und assoziieren lässt, so fein ist, dass es Spaß macht, die beiden Ebenen zu vermischen, ein Stück Unwahrscheinlichkeit in die Realität zu holen. Als wäre es plötzlich ein unumstößlicher Fakt, dass auch im kanadisch-arktischen Archipel schon immer ein kleines Schuhregal mit Schuhlöffel vor jedem Iglu steht.

AIYU Skizze

Lucie Schroeder weist mit dieser Arbeit auch auf eine Frage der Grenze zwischen den Disziplinen hin: wieso ist der Raum nicht einfach eine Installation, frei begeh- und verlassbar, ohne Anfang und Ende, eine Dauerschleife? Was fügt die performative Rahmung dieser Arbeit hinzu außer eine hohe Erwartung der Besucher_innen daran, dass etwas passiert, dass jedes Tun in diesem Raum als Teil der Performance gelesen werden kann und manch eine_r sich unwohl fühlen könnte, weil man automatisch Performer_in wird? Doch eigentlich ist es jedem Selbst überlassen sich davon frei zu machen und seine eigene selbstbewusste Navigation durch diese Performance zu finden. Das ist keine so einfache Aufgabe, aber darum ging es der Autorin wahrscheinlich auch. Some people trying to provoke, bringing even more in than there is already offered.

– Teresa Hoffmann | November 2018

Mit Dank an Anne Pretzsch und Heike Bröckerhoff.

dann kam da ein Otter rausgeschossen

Greta Granderath: Poems on Performances_No 1

zieh die Schuhe aus und geh
durch den Papageienbogen

dahinter ist alles samtig und lusco fusco
bunte Leuchtstoffröhren blinzeln

etwas hat keinen Namen
hängt von der Decke und rührt sich
etwas hat Otterzähne und sieben Beine

zwei Schlafwandlerinnen tanzen
auf weißen Bohnen

verschwinden in silbrigen Gefäßen
zwischen Sprüngen und Spiegeln
tauchen als Bewegungsmelder wieder auf

das Wassermonster in uns
weiß es im Traum: Mit vollem Mund spricht man nicht

ein magisches Mädchen weicht zurück
vor dieser Schar: Kinderaugen im Dunkeln
Wo kommt ihr alle her?

noch einmal schlafen dann bist du erwachsen
erinnerst dich:

am Bühnenrand zuckt der kleine Michael
der in den Nebel will

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Zu Regina Rossis Tanzstück LUSCO FUSCO (portugiesisch für Zwielicht, Dämmerung)
Premiere: K3 | Tanzplan Hamburg, 17. Mai 2018
Konzept/Choreografie: Regina Rossi, Von/mit: Nora Elberfeld, Angie Lau, Regina Rossi, Dramaturgie: Barbara Fuchs, Bühne und Kostüme: Doris Margarete Schmidt, Musik: Sven Kacirek, Künstlerische Assistenz: Teresa Hoffmann. Licht: Ricarda Köneke, Ton: Lukas Stein, Bühnentechnik: Robert Fass

Poems on Performances ist eine Lyrik-Serie von Greta Granderath zu Performances, Tanz- und Theateraufführungen.

Danke, Heike Bröckerhoff!

HF18_06_121.jpgEinmal muss es zu Ende sein: Die Abschlussveranstaltung des Hauptsache Frei Festivals

von Saskia Menges

Am gestrigen Samstagabend war es leider auch schon wiedervorbei: Das vierte Festival der Darstellende Künste, das Hauptsache.Frei, feierte seinen letzten Abend. Fünf fulminante Tage in vier unterschiedlichen Spielstätten sind vergangen. Die volle Bandbreite des freien darstellenden Spiels wurde gezeigt und viele Spielorte ausprobiert. Wir Bloggerinen Neele Jacobi und Saskia Menges durften in Workshops, Tanztheater, Performances, Sprechtheater und Installationen eintauchen. Wir haben neue Spielorte kennengelernt, uns in Workshops mit der Zukunft des freien Theaters befasst oder uns mit der JETZT Kampagne des DfDK zur Förderung der Freien Theaterszene in Hamburg auseinandergesetzt. Wir sind irritiert, unterhalten, belustigt und vor allem verzückt worden. Mit uns wurden das etwa 2000 Festivalgäste; für das Festival ein toller Erfolg in der Entwicklung der Besucherzahlen.

So ganz konnte man es jedoch nicht glauben, dass diese bunte Reise durch darstellende Kunstformen aller Art nun schon wieder vorbei sein soll. Das aber das Ende nun wirklich da ist, wurde mit der Preisverleihung in der Abschlussveranstaltung ganz klar. Die Festivalleitung Julian Kamphausen und Susanne Schuster bedankten sich ganz herzlich bei dem Team des Festivals und den BesucherInnen, bevor sie dann den mit 1500 Euro dotierten Publikumspreis vergaben. Die PMS Lounge stellte sich als absoluter Publikumsliebling heraus. Die Freude bei den Beteiligten war übergroß, die in vollem Überschwang und sichtlich bewegt den Preis entgegennahmen. Im Anschluss durfte die Festivaljury, bestehend aus Falk Schreiber (Kulturjournalist), Kria Kirsch (brut Wien) und Wilma Renfordt (Impulse Fesitval) die weiteren Preise vergeben. Die Förderpreise umfassen ein Mentoringprogramm und erhielten die Produktionen Zeitraffer – Ein Theatrales Assoziationsuhrwerk des Klabauter Theaters sowie Tricks – Eine Soloperformance von Lois Bartel. Den Jurypreis erhielt schließlich ebenfalls die PMS Lounge, die für ihre Auseinandersetzung mit einem randständigen Thema wie dem Prämentruellem Syndrom und Menstruation gelobt wurden. Der Jurypreises umfasst neben der Preisprämie von ebenfalls 1500 Euro die Unterstützung bei der Suche eines Gastspielortes in Berlin. Auf das auch das Berliner Publikum von Auseinandersetzungen mit den prämenstruellen Syndromen angenehm irritiert werde! Es war ein grandioser und ausgelassener Abschluss mit viel Euphorie, Glücksgefühlen und ein kleinwenig Wehmut. Jedoch lässt der Blick auf das fünfte Hauptsache.Frei Festival im kommenden Jahr schon wieder sehr viel Vorfreude hochsteigen. Grandios!

DER ELEKTRISCHE REITER

I’ve been looking for freedom: Auf der Suche nach Freiheit mit dem elektrischen Reiter im Lichthof Theater in Hamburg Bahrenfeld oder „Geht ein Cowboy in einen Friseursalon, kommt er raus: Pony weg.“

Autorin: Saskia Menges

Unwillkürlich kommt mir nach dem Stück Der elektrische Reiter der Song Looking for Freedom von David Hasselhoff in den Kopf. War es gerade nicht genau darum gegangen? Um die Suche nach Freiheit?

Wir begleiteten Sonny Steele, einen verbrauchten Cowboy durch die Prärie des Lichthof Theaters in Hambburg Bahrenfeld. Er hatte sich dazu entschlossen, sein Dasein als Ex-Rodeo Champion und Frühstückflockenwerbegesicht zu beenden. Sein neustes Projekt war stattdessen das Rennpferd Rising Star aus seiner Knechtschaft als Wettobjekt und Werbetier mit einem Wert von 12 Millionen Dollar zu befreien. Nach einer Werbeshow stahl Sonny entschlossen das Tier und ritt hinaus aus der Showstadt Las Vegas. Bis zu diesem Punkt war ich mir noch sehr unsicher, welche Wendung es mit diesem Stück haben soll. Alles hatte bisher eher albern und klamaukig gewirkt und ich war mir noch nicht sicher, ob das beabsichtigt war oder … eben leider doch nicht. Abseits der trashigen Glücksspielmetropole konnte aber auch das Stück eine andere Ebene entwickeln, die im herrlichen Kontrast zu dem bisher gezeigten stand. Unvermittelt begann das Pferd Rising Star über den Begriff der Freiheit nachzudenken. Zitierte mit so einer Sicherheit Kant, dass ich zunächst gar nicht wirklich auf das Gesagte hören konnte, sondern perplex und amüsiert auf meinem Stuhl saß. Seine Überlegungen kreisten darum, ob Freiheit nicht immer nur vermittelt sei, ob es nicht stets immer einen Kontrollvorbehalt gäbe – Quasi eine Freiheit zweiter Ordnung, in der man nur solange frei ist, bis ein anderer die Bedingungen der Freiheit verändere. Rising zeigte sich schließlich als neoliberales Philosopherd (wie meine Freundin Neele es schließlich so treffend betitelte). Es glaubte als die Freiheit der Märkte und an Konsum als Möglichkeit sich selbst Freiheit zu schaffen. Die vermeintliche Freiheit der Natur stand der vermeintlichen Freiheit der Märkte gegenüber. …I’ve been looking so long heißt es ja in einer weiteren Textzeile von Hasselhoff. Und ich denke, wir werden auch weiterhin nach Freiheit suchen müssen. Denn auch wenn das Stück ein spannender und vor allem witziger Beitrag zu der Frage nach der Freiheit ist, ist es ja doch eine, die wohl nie abschließend geklärt werden kann und immer neuverhandelt werden muss. Das Stück glänzte durch die starken schauspielerischen Leistungen von Stephan Möller-Titel, Fritzi Oster und Christopher Weiß. Gekonnt schlüpften sie in die unterschiedlichsten Rollen. Von Showmaster, zu Pferd, zu Cowboy. Von Showgirl, zur Reporterin und Apothekerin. Schließlich der elektrische Reiter, der in seinem beleuchteten Cowboykostüm strahlte.

 

 

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Erzähl mir eine Geschichte
Autorin: Saskia Menges

Unterschiedliche Ebenen des Erzählens leuchtete Lois Bartel am gestrigen letzten Festivalabend mit ihrer Soloperformance TRICKS aus. Mit geschickten erzählerischen Mitteln inszenierte sie sich selbst und ihre Auseinandersetzung mit der Marta Hari, einer Tänzerin und möglicherweise Spionin in der Zeit vor und um den ersten Weltkrieg.

Im Vorraum des Theaters beginnt das Stück. Eine Stimme ertönt, die uns ankündigt, dass das Stück in Kürze beginnen wird. Eine warme, angenehme Frauenstimme. Wir werden in den Nebenraum der Bühne eingelassen. Beim Betreten ziehen wir Karten auf denen kleinen Aufträge auf uns warten. Einige BesucherInnen durften und mussten Gegenstände wie Schmuck oder Fotos aus diesem Raum aufnehmen und später auf die Bühne bringen und dort platzieren. Ich durfte über die Bühne schreiten – wie wir allerdings alle. Wo die Bühne sein würde wusste ich in diesem Moment noch nicht. Findet die Performance wohl hier im Nebenraum statt?

Wieder die warme, irgendwie doch technisch wirkende Stimme, die ankündigt, was als nächstes zu tun sei. Gut. Es wird doch noch in den Theatersaal und über eine Bühne gehen. Manche hatten den Auftrag sich schnell und wieder andere langsam über die Bühne bewegen. Und noch andere mussten sich sogar dort eine Weile verstecken. Welche Bühne Lois B. so vorfinden würde, war ihr also nicht gewiss. Und wir, das Publikum, wurden so zum Teil ihrer Performance, in der sie immer wieder dieselbe Geschichte nur mit anderen Worten und aus anderen Perspektiven erzählte. Mal gab es ein Playback der Lois H. wie sie die Geschichte von Marta Hari und ihre eigene dazu erzählte. Sie bewegte ihre Lippen und im ersten Moment hätte man nicht vermuten können, dass es nicht von ihr selbst gesprochen, sondern eine Aufnahme war. Hier wurde das Publikum das erste mal hinters Licht geführt, es war einer ihrer noch zahlreich folgenden Tricks. Dann gab es wieder eine Erzählerstimme, die die Metaebene des Stücks aufmachte. Sie erklärte was Lois B. hier nun tue oder auch das gesehene kommentierte, krisitierte, wenn die Stimme, die ja aufgenommene Stimme der Lois B. ist, fragte: „Ist sich auf der Bühne ausziehen überhaupt noch ein spannedes Mittel?“ Denn die Lois zog sich aus. Ähnlich wie es die Marta Hari getan hatte. Schmückte sich, sprach liebevoll von Marta Hari – Aber immer und das war das bohrende, verblieb man in der selben Geschichte, wenig mehr erfuhr man in den immer gleichen, jedoch nie den selben Ausführungen über die Marta Hari, was übrigens Auge des Tages bedeute. Lois B. nutze ihren Körper um zu zeigen, wie und auf welche Weise eine Geschichte um sich greifen kann, welche Kraft es entwickelt und welche Gefühle sie auslösen kann. Sie führte mit der Auseinandersetzung mit der Marta Hari die Selbstinszenierung auf die Spitze und bekam zurecht viel Applaus.

JETZT! ….aber was eigentlich genau?

Ein Gesprächsprotokoll über die JETZT Kampagne des Dachverbands

freie darstellende Künste Hamburg e.V. (DFDK).

Von Saskia Menges und Neele Jacobi.

 

Neele: “Saskia, sag mal man sieht hier beim Hauptsache Frei Festival in Hamburg überall diese neonfarbenen Aufkleber. JETZT! Steht da drauf und irgendwas mit Freie Darstellende Künste fördern. Aber was genau steckt denn dahinter? Was soll JETZT passieren?”
Saskia: “Ja, ich hab die auch schon gesehen, die sehen ganz cool aus, oder? Ich glaube, das ist so eine Art Protest Bewegung. Organisiert ist es auf jeden Fall vom Dachverband freie darstellender Künste Hamburg e.V. – Das ist auch einer der Träger vom Hauptsache Frei Festival. Anja Kerschkewicz und Jonas Leifert sind da die Vorsitzenden …”

 

Neele: “Ja, fallen auf! Na und wogegen protestieren die genau? Die Leute in den Workshops sprechen immer von so einem Konzeptionspapier und Fördertöpfen….”

 

Saskia: “Genau, ich denke, es ist eine Kampagne, um mehr finanzielle Förderung für die Freie Theaterszene einzufordern. In dem Konzeptionspapier müsste genauer drin stehen, was die exakt wollen… Dieses Papier liegt immer an der Kasse bei dem netten Boy aus der Schweiz, der die Tickets verkauft. – Komm wir checken das Papier mal genauer aus.”

 

Neele: “Hui, das ist ganz schön umfangreich, aber im Kern geht es, wie ich das lese, um zwei Aspekte. Zum einen sollen die Fördersummen für die Freie Szene erheblich erhöht werden. Zum anderen fordern die Leute vom Dachverband eine umfangreiche Umgestaltung, was die Arten der Förderung betrifft. Da geht es unter anderem um Recherchestipendien, den Ausbau der Konzeptionsförderung, aber auch um die Verbesserung der Arbeitsstrukturen. Hier soll ein Netzwerkbüro die Koordination und Vernetzung innerhalb der Freien Szene stärken. Bei einer Gesprächsrunde mit KünstlerInnen und Förderinstitutionen am Freitag ging es viel auch um genau dieses Thema der Strukturen. In “Bellybutton + Performance” klagt Philipp Joy Reinhardt ja genau diese Zustände an.”

 

Saskia: “Zwei sehr wichtige Punkte wie ich finde. Und dieses Festival ist auch wirklich der perfekte Ort, um solche Zu- und Missstände anzusprechen. Ich finde es gut, dass KünstlerInnen mit dem Dachverband eine Stimme erhalten, die für die gute und gerechte Bezahlung und Förderung von Kulturschaffenden eintritt. Es geht hier auch darum, dass Tarife an staatlichen Häusern zwar erhöht werden, was ja echt super ist – aber man gleichzeitig nicht die Erhöhung der anderen Fördertöpfe vernachlässigen darf. Es gibt wohl schon jetzt ein großes Ungleichgewicht zwischen dem Kulturhaushalt der Stadt Hamburg und der Höhe der Fördertöpfe für kleinere, projektbasierte Produktionen.”

 

Neele: “Diese Schieflage ist tatsächlich problematisch. Gerade die Frage der Probenräume ist enorm drängend. Wenn man an jedem Probentag eine Probebühne auf- und abends wieder abbauen muss, weil es keinen festen Probeort gibt, dann kostet das enorm viel Zeit, Nerven und schlussendlich auch Geld. Die Kampagne, so ein Mitglied des DFDK, solle vor allen Dingen auch für eine Sichtbarkeit sorgen. Auch ganz im Sinne einer Selbstermächtigung und eines Bekenntnisses zur Szene und dem gemeinsamen Kampf für bessere Strukturen. Ich bin wirklich gespannt, wie es mit den Forderungen des Dachverbandes weitergeht und auf welche Weise sie umgesetzt werden.”

 

Mehr Infos unter http://dfdk.de/images/PDF/Konzeptionspapier_DfdK_16.02.2018.pdf