Hauptsache Frei #4 – Festivalblog

Das gab’s noch nie!

BEACH BIRDS – THE DANCICAL von Die neue Kompanie

Autorin: Saskia Menges // Foto: Sven Heine

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„Beach Birds – The Dancical“ – Ein Tanzstück was absolut neu und innovativ ist. So jedenfalls behauptet es die fünfköpfige Tanzgruppe, die in engen schwarz-weißen Anzügen auf die Bühne marschiert. Im Chor und im Gleichschritt stellen sie sich vor: „Wir sind die neue Kompanie. Wir streiten uns nie. Wir sind ein Team.“ Durch weitere Statements dieser Art lässt sich erahnen, dass die Gruppe wohl basisdemokratisch organisiert ist. Oder es wenigstens sein möchte.

Diese Kompanie will genauso sein, wie man es von ordentlichen Künstlern wohl erwarten würde. Kreativ, teamfähig, innovativ. Schließlich marschieren sie weiter über die Bühne und sagen im Chor „Bei uns ist alles von uns. Absolut innovativ und neu.“ Diese übertriebene Gleichförmigkeit und Übereinstimmung deutet bereits an, was in der nächsten Stunde geschehen wird: Eine kritische, jedoch besonders lustige und ironische Auseinandersetzung mit Ansprüchen an die darstellende Kunst und die Frage danach, was eigentlich eine Tanzkompanie ist.

Die Betonung des Anspruchs immer innovativ und neu sein zu müssen führen Giovanni Zocco, Edda Sickinger, Guy Marsan, Angela Kecinski, und Helen Schröder ad absurdum wenn sie ihr Tanzstück aus Zitaten anderer großer ChoreopgraphInnen zusammensetzen. Es ist eine Frage nach dem Copyright in der Welt der Performance, in der es gilt immer neue Bewegungen und Abläufe zu finden, die es so noch nicht gegeben hat. Der Aufmacher des Stücks sind Zitate aus Merce Cunninghams Tanzstücks „Beach Birds“, was er 1991 uraufführte. Daran reiht die Kompanie auch schauspielerische Zitate von Rene Pollesch und macht auch vor Verweisen in die Popwelt keinen Halt. Auf die Spitze getrieben wird dieses Projekt mit einem Tanzzitat aus Flashdance, was von einer wundervoll schwangeren Tänzerin aufgeführt wird.

In der Welt der Musik wird schon seit dem Beginn des Samplings über Urheberrechte und Copyright gestritten. Wann darf sich was unter welchen Umständen angeeignet und bearbeitet werden? Große juristische Kämpfe sind ausgestanden worden und sind noch auszustehen. Hier zeigt sich, dass es wohl noch immer einen Drang gibt, einzigartig zu sein. Ist das jedoch überhaupt möglich, wenn wir doch nur über die Imitation überhaupt lernen? Wenn wir so viele medialisierte und digitalisierte Vorlagen haben, auf die wir auch sehr gern zurückgreifen? Und warum nicht etwas schon vorhandenes nehmen und zu einem neuen Bild zusammensetzen? Ein sehr witziger, charmanter und vor allem toll anzuschauender Beitrag zu der Frage nach dem Copyright und danach ob man ihn nicht doch endlich zerstören sollte.

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