Hauptsache Frei #4 – Festivalblog

Verliebt in eine Drohne

DJIN – EINE LOVESTORY 2.0

Autorin: Saskia Menges

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Eine Drohne ist vor allem eines – laut. Wenn sie im Theatersaal abhebt ertönt ein ohrenbetäubendes Geräusch. Es kommt einer Mischung aus Ventilator und stark verstärkten Insektenflügelschlagen gleich. In Djin – Eine Lovestory 2.0 erlebte das Publikum gestern Abend im Monsun Theater diese Drohne, die zärtlich Biene genannt wird und Tom, einen seltsamen Computernerd. Wir sehen ihn in seiner Wohnung nervös auf und ab gehen. Er hatte eine Idee. Nicht nur eine Idee, eine Vision! Er will ein Netz von Service-Drohnen anbieten, die seinen Nutzern gegen kleine finanzielle Gegenleistungen (auch Gebühren genannt) jeden Wunsch erfüllen. Mit seiner Drohne, mit Biene, übt er nun im Zwiegespräch die Präsentation dieses Dienstleistungskonzepts. Tom kommt schließlich nicht umhin zärtliche Gefühle zu dem technischen Objekt zu entwickeln. Die aus dem Off sprechende Drohne ist tatsächlich auch sehr witzig, charmant und einfühlsam, ja – liebenswert. So nimmt die Komödie seinen Lauf – Tom führt Tänze zu Frank Sinatra mit Drohne Biene auf, sie picknicken, diskutieren, streiten. Tom wird von nervösen Zusammenbrüchen und Angstzuständen vor Trojanern und Computerviren gebeutelt. Seine irrationale Art und seine unbeholfene Liebe zu der Drohne seines Herzens bringen das Publikum kräftig zum Lachen. Biene wird das allerdings irgendwann alles zu viel. Sie erklärt: „Ich bin nur eine Drohne. Mein Algorithmus steuert mich und schließlich auch dich!“ und dechiffriert so Toms Gefühle als Kalkül der Programmierenden. Dass Tom Gefühle für Biene entwickle sei schlicht beabsichtigt worden!

Auch wenn das Stück einige Allgemeinplätze und Klischees aus der Programmier- und Start-Up Welt bedient, auch an Filme wie „Her“ erinnert, gelingt ein witziger Beitrag zu dem Thema der Mensch-Technik-Beziehung die in unserer Welt der sprechenden Interfaces immer drängender untersucht, kritisiert und erforscht wird, werden muss. Die Einbindung einer Drohne in ein Theaterstück ist ein spannender und gelungener Versuch diese Thematik zu verhandeln. Es sei jedoch sehr schwierig gewesen, dieses Flugobjekt in ein Theaterstück zu integrieren, wie Regisseur Anton Kurt Krause später im Nachgespräch erklärt. Schauspielerische Leistungen aus einem eigentlich komplett unbelebtem Objekt herauszuholen habe eine große Herausforderung dargestellt. Trotzdem ist ihm meiner Meinung nach ein interessanter Versuch gelungen, das Verhältnis von Mensch und Technik in zu thematisieren und eine unterhaltsame Liebesgeschichte zu erzählen. Die Meinungen des Publikums fielen allerdings sehr kontrovers aus. „Tolle One Man Show. Bissl schräg.“ sagte mir jemand, eine andere Besucherin erklärte: „Das Thema fand ich spannend. Die Umsetzung war mir etwas zu plakativ, zu stark Richtung Comedy, zu reißerisch.“ Ein weiterer Gast war sogar enttäuscht: „Ich hatte mir mehr action von der Drohne erhofft!“ Vielleicht ja im nächsten Stück von Anton Kurt Krause?!

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