Hauptsache Frei #4 – Festivalblog

HF18_03_71.jpgVon uteralen Aktivitäten, Pheromonaustausch und Eierwürfen – Ein Abend in der PMS Loung im Frappant e.V.

Autorin: Saskia Menges

Kopfscherzen, Reizbarkeit, Unterleibsschmerzen, depressive Verstimmungen, irrationale Frageströme, Zweifelzirkel, allgemeine geistige Überspanntheit. Das sind Merkmale des Prämenstrualen Syndroms, kurz PMS, dem im Rahmen des Hauptsache Frei Festivals eine Lounge im Frappant e.V. in Hamburg eingerichtet wurde. Es ist die Huldigung eines Zustandes, wie es im Programmtext heißt. Und ich finde: Eine sehr gelungene! Nach einem Spaziergang vom Monsun Theater in den Kachelraum der Viktoria Kaserne trete ich ein in die Lounge. Mich erwarten große Kollagen von nackten Frauen, Augen in großen papierenen Händen. Alles ist überspannt mit langen Fäden an denen sich weiße Luftballons befinden: Vielleicht sind es befruchtbare Eier? Ich weiß es nicht. Jedenfalls könnte man meinen, dass sich ein PMS, wäre es eine Person, so einrichten würde.

Weiß gekleidete Damen stehen an der Bar neben den Gästen, elektronische Musik begleitet das Treiben, die Unterhaltungen, das Nippen an Getränken. Ein wenig gespannt wartet man, was da noch kommen mag und ich hingegen frage mich derweil wie wohl die männlichen Gäste diese Lounge und die Auseinandersetzung mit dem weiblichen Zyklus wahrnehmen. Wie stehen sie zu PMS?

Ich stelle mich neben einen Mann mit Schnauzer. „Hattest Du schon mal PMS?“ frage ich und blicke ihn forschend an. „Mir fehlt leider aus biologischen Gründen der Bezug dazu.“ sagt er und wirkt dabei fast ein wenig traurig. „Aber ich bin sehr neugierig und hoffe, heute etwas mehr darüber zu erfahren.“ Zwischen uns entspannt sich ein Gespräch über Geschlechterrollen und darüber wie wir, bedingt durch unsere Körper, die Welt erleben. Dann zieht das PMS Personal, so heißen nämlich die weißgekleideten Damen, die sich auffällig unauffällig an der Bar aufgehalten haben, die Aufmerksamkeit auf sich. Sie erläutern diesen Ort und dann was eigentlich im Zyklus einer Frau so vor sich geht. Sie zelebrieren in ihrem Stück die uteralen Aktivitäten einer Frau. Sie beschreiben, wie die, auf eine Schwangerschaft vorbereitete Gebärmutter abgestoßen wird, wenn ein Ei wieder einmal nicht befruchtet wurde. Sie steigern sich rein in die eigene PMS und gehen auf Pheromonaustauschkurs.

Den Theaterszenen in der Lounge folgen kurze Pausen, in denen ich zu meinem neuen, oberlippenbärtigen Companion zurückkehre. „Und, kannst Du Dir PMS schon besser vorstellen?“ frage ich. „Ich weiß nicht – Aber das Eierwerfen eben hat mir gefallen.“ Zuvor waren wir dem PMS Personal in den Vorraum des Frappant gefolgt. Am Treppenaufgang war eine Wurffläche aufgebaut und mit Farbe gefüllte Eier konnten abgeworfen werden. In unterschiedlichen Rottönen zerplatzen sie mal verzweifelt, mal frech an der Wand. Es war der sogenannte „Eierwurf – Auch Eisprung genannt“. Weitere Szenen folgten, die fragten, ob PMS letztlich nicht doch nur ein gesellschaftlich konstruierter Mythos sei. Die Auseinandersetzung mit PMS in dieser Performancekunst gelang in einer höchst unterhaltenden Form und besonders durch die starken schauspielerischen Leistungen der Künstlerinnen und die wundervolle Gestaltung der Räume. Auch die Entscheidung, die Performance im Frappant e.V. zu installieren und damit jenseits einer klassischen Bühne zu arbeiten trug zu einem grandiosen und bisweilen angenehm verstörenden Abend bei. Meinem Kumpanen mit dem Schnauzer hat es jedenfalls auch ausgesprochen gut gefallen.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

w

Connecting to %s

%d bloggers like this: