Hauptsache Frei #4 – Festivalblag

Roboter-gesteuertes Puppenspiel und Drohenliebe.

Eine Reise durch die Welt des Digitalen beim Brunch 2.0 im Lichthof Theater

Autorin: Neele Jacobi

Hamburg Bahrenfeld, Lichthof Theater, 11 Uhr. Munteres Geplauder bei Käsebrötchen und Kaffee. Ich bin beim „Brunch 2.0“ des Hauptsache Frei Festivals. Er ist Teil des diesjährigen Digital Track, den Susanne Schuster vom Festivalteam leitet, und der den Schwerpunkt des Festivals bildet. Es soll um „Wünsche, Visionen und Impulse für die digitale Kunst in Hamburg“ gehen, wie das Programmheft ankündigt. Na dann mal los!

Den Anfang machen Jeanne Vogt und Alexandra Waligorski, Kuratorinnen und Gründerinnen des „creative technologies and media arts meet-up Hamburg“ (kurz: CETAM) – komplizierter Name, geben die beiden schmunzelnd zu. Ihr Anliegen: Menschen, die kreativ mit Technologie arbeiten, zusammenzubringen. Arts & Tech, wie diese Schnittstelle im Fachjargon heißt. Seit 2015 veranstalten die beiden die regelmäßig stattfindende Zusammenkunft. Wichtig ist ihnen vor allen Dingen, dass die Hürde, vorbeizukommen, möglichst niedrig ist. Das meet-up soll ein offener und gleichsam geschützter Raum sein, auch gebe es immer etwas zu essen „um das Eis zu brechen“. Funktioniert gut, wie ich finde. Das Gespräch ist ein echter Selbstläufer.

Dabei streifen wir die großen Fragen nach dem Verhältnis von Mensch und Technik – wer beherrscht eigentlich wen? -, die Sinnhaftigkeit der Trennung von analog und digital, die Angst vor dem böhmischen Dorf namens Technik sowie die Chancen, aber auch Herausforderungen, die sich aus der Grenzenlosigkeit der Möglichkeiten ergeben. Ganz konkret wird es auch: DJIN, eine Performance über die Liebesbeziehung zu einer Drohne, habe deutlich gemacht, dass das technische Objekt zuweilen auch Hindernis sein kann. Wie tanze ich mit einer Drohne? Wie sie menschlich erscheinen lassen und doch als technisches Ding belassen? Technik – daran sind auch immer Erwartungen geknüpft. „Ich verzeihe eher, wenn ein Schauspieler seinen Text vergisst, als wenn ein Smartphone in einer Aufführung versagt“. Diese Haltung erschwert die Benutzung von Technik im Kunstkontext oft – baut Hemmungen auf. Wie wäre es, wenn wir Technik weniger als Tool, als Werkzeug, betrachten, denn als Performance selbst? Als Performance, die ebenso scheitern kann, wie ein menschlicher Akteur? Ich denke darüber nach, ein Stück über das Scheitern von Technologie zu schreiben. Naja, vielleicht überlasse ich das anderen, aber spannend wäre es allemal. Überhaupt lässt diese Frühstücksrunde einige Fragen offenen und macht vor allen Dingen eines: Lust auf mehr!

 

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