Hauptsache Frei #4 – Festivalblog

Der Tod als Plastiktüte. Assoziationsschnipsel zu „Banshee Ragout – *EIN TOTEN/TANZ/STÜCK*

Autorin: Neele Jacobi

Eine Banshee (von Irisch-gälisch bean sí: „Frau aus den Hügeln“, mit der Bedeutung

„Frau aus dem Feenreich, Geisterfrau“, ältere Schreibung bean sídhe; vgl. schottisch-gälisch bean sìth, bean shìth oder bean-nighe) ist in der keltischen Mythologie und im Volksglauben Irlands ein weiblicher Geist aus der Anderswelt, dessen Erscheinung

einen bevorstehenden Tod ankündigt.

Dunkelheit. Auf der ansonsten leeren Bühne eine überdimensionale, schlammgraue Plane. Daneben zwei in Anzüge gekleidete Männer – irgendwas zwischen seriös und Maffia. Die Hände gefaltet. Sind wir zeugen einer Bestattung? Szenenwechsel. Eine Person betritt die Bühne, auf dem Kopf eine Maske aus Pappkarton. Sie beginnt zu tanzen. Die Maske erinnert mich an Totemkult und Ethnologiemuseen. Ist das eigentlich problematisch, eine solche Darstellung in diesem Kontext zu nutzen? Oder denkt die Kulturwissenschaftlerin in mir hier zu weit? Eine zweite Person mit Maske kommt hinzu. Sieht aus wie ein Bär. Häh? Ok, jetzt bin ich verwirrt. Zuckende, krampfartige Bewegungen. Im Programmheft stand, es geht um Tod und Leben – vielleicht ein Todeskampf? Dann kommt die Plane ins Spiel. Sie bewegt sich durch den Raum, Hände ragen aus ihr heraus, Füße. Die Plane – der Tod als Tüte – verschlingt, wirft hin und her, spuckt wieder aus. Ein Körper liegt bäuchlings auf der Bühne, auf seinem Rücken ein Skelett. Der Tod als immer schon zum Leben gehörend? Uns begleitend? Verstörende Geräusche vom Musikpult, an dem die Maffia-Boys vom Anfang hauchen, kratzen, schreien. Unbehagen stellt sich ein – irgendwie muss ich wegschauen. Silberne Totenmasken starren aus der Tüte ins Publikum. Nach 75 Minuten ist das Planenspektakel zu Ende.

Der Tanz, der Körper gerät in Banshee Ragout volkommen in den Hintergrund – beziehungsweise in die Plastiktüte. Beim anschließenden Publikumsgespräch wird gerade dies beklagt. Ich für meinen Teil finde gerade diesen Aspekt großartig. Eine simple, übergroße Plastikplane symbolisiert den Tod: das Ringen mit ihm, seine Omnipräsenz, seine Aura. Wenngleich die begleitenden Sounds streckenweise ohrenbetäubend sind, bevor sie am Ende in an Star Wars erinnernde pathetische Klänge übergehen, so tragen sie doch unheimlich zu düsteren, fast bedrohlichen Atmosphäre des Stückes bei.

Mein Fazit: halb so lang, doppelt so viel Plane – mega!

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