Hauptsache Frei #4 – Festivalblog

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Erzähl mir eine Geschichte
Autorin: Saskia Menges

Unterschiedliche Ebenen des Erzählens leuchtete Lois Bartel am gestrigen letzten Festivalabend mit ihrer Soloperformance TRICKS aus. Mit geschickten erzählerischen Mitteln inszenierte sie sich selbst und ihre Auseinandersetzung mit der Marta Hari, einer Tänzerin und möglicherweise Spionin in der Zeit vor und um den ersten Weltkrieg.

Im Vorraum des Theaters beginnt das Stück. Eine Stimme ertönt, die uns ankündigt, dass das Stück in Kürze beginnen wird. Eine warme, angenehme Frauenstimme. Wir werden in den Nebenraum der Bühne eingelassen. Beim Betreten ziehen wir Karten auf denen kleinen Aufträge auf uns warten. Einige BesucherInnen durften und mussten Gegenstände wie Schmuck oder Fotos aus diesem Raum aufnehmen und später auf die Bühne bringen und dort platzieren. Ich durfte über die Bühne schreiten – wie wir allerdings alle. Wo die Bühne sein würde wusste ich in diesem Moment noch nicht. Findet die Performance wohl hier im Nebenraum statt?

Wieder die warme, irgendwie doch technisch wirkende Stimme, die ankündigt, was als nächstes zu tun sei. Gut. Es wird doch noch in den Theatersaal und über eine Bühne gehen. Manche hatten den Auftrag sich schnell und wieder andere langsam über die Bühne bewegen. Und noch andere mussten sich sogar dort eine Weile verstecken. Welche Bühne Lois B. so vorfinden würde, war ihr also nicht gewiss. Und wir, das Publikum, wurden so zum Teil ihrer Performance, in der sie immer wieder dieselbe Geschichte nur mit anderen Worten und aus anderen Perspektiven erzählte. Mal gab es ein Playback der Lois H. wie sie die Geschichte von Marta Hari und ihre eigene dazu erzählte. Sie bewegte ihre Lippen und im ersten Moment hätte man nicht vermuten können, dass es nicht von ihr selbst gesprochen, sondern eine Aufnahme war. Hier wurde das Publikum das erste mal hinters Licht geführt, es war einer ihrer noch zahlreich folgenden Tricks. Dann gab es wieder eine Erzählerstimme, die die Metaebene des Stücks aufmachte. Sie erklärte was Lois B. hier nun tue oder auch das gesehene kommentierte, krisitierte, wenn die Stimme, die ja aufgenommene Stimme der Lois B. ist, fragte: „Ist sich auf der Bühne ausziehen überhaupt noch ein spannedes Mittel?“ Denn die Lois zog sich aus. Ähnlich wie es die Marta Hari getan hatte. Schmückte sich, sprach liebevoll von Marta Hari – Aber immer und das war das bohrende, verblieb man in der selben Geschichte, wenig mehr erfuhr man in den immer gleichen, jedoch nie den selben Ausführungen über die Marta Hari, was übrigens Auge des Tages bedeute. Lois B. nutze ihren Körper um zu zeigen, wie und auf welche Weise eine Geschichte um sich greifen kann, welche Kraft es entwickelt und welche Gefühle sie auslösen kann. Sie führte mit der Auseinandersetzung mit der Marta Hari die Selbstinszenierung auf die Spitze und bekam zurecht viel Applaus.

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