Hauptsache Frei #4 – Festivalblog

DER ELEKTRISCHE REITER

I’ve been looking for freedom: Auf der Suche nach Freiheit mit dem elektrischen Reiter im Lichthof Theater in Hamburg Bahrenfeld oder „Geht ein Cowboy in einen Friseursalon, kommt er raus: Pony weg.“

Autorin: Saskia Menges

Unwillkürlich kommt mir nach dem Stück Der elektrische Reiter der Song Looking for Freedom von David Hasselhoff in den Kopf. War es gerade nicht genau darum gegangen? Um die Suche nach Freiheit?

Wir begleiteten Sonny Steele, einen verbrauchten Cowboy durch die Prärie des Lichthof Theaters in Hambburg Bahrenfeld. Er hatte sich dazu entschlossen, sein Dasein als Ex-Rodeo Champion und Frühstückflockenwerbegesicht zu beenden. Sein neustes Projekt war stattdessen das Rennpferd Rising Star aus seiner Knechtschaft als Wettobjekt und Werbetier mit einem Wert von 12 Millionen Dollar zu befreien. Nach einer Werbeshow stahl Sonny entschlossen das Tier und ritt hinaus aus der Showstadt Las Vegas. Bis zu diesem Punkt war ich mir noch sehr unsicher, welche Wendung es mit diesem Stück haben soll. Alles hatte bisher eher albern und klamaukig gewirkt und ich war mir noch nicht sicher, ob das beabsichtigt war oder … eben leider doch nicht. Abseits der trashigen Glücksspielmetropole konnte aber auch das Stück eine andere Ebene entwickeln, die im herrlichen Kontrast zu dem bisher gezeigten stand. Unvermittelt begann das Pferd Rising Star über den Begriff der Freiheit nachzudenken. Zitierte mit so einer Sicherheit Kant, dass ich zunächst gar nicht wirklich auf das Gesagte hören konnte, sondern perplex und amüsiert auf meinem Stuhl saß. Seine Überlegungen kreisten darum, ob Freiheit nicht immer nur vermittelt sei, ob es nicht stets immer einen Kontrollvorbehalt gäbe – Quasi eine Freiheit zweiter Ordnung, in der man nur solange frei ist, bis ein anderer die Bedingungen der Freiheit verändere. Rising zeigte sich schließlich als neoliberales Philosopherd (wie meine Freundin Neele es schließlich so treffend betitelte). Es glaubte als die Freiheit der Märkte und an Konsum als Möglichkeit sich selbst Freiheit zu schaffen. Die vermeintliche Freiheit der Natur stand der vermeintlichen Freiheit der Märkte gegenüber. …I’ve been looking so long heißt es ja in einer weiteren Textzeile von Hasselhoff. Und ich denke, wir werden auch weiterhin nach Freiheit suchen müssen. Denn auch wenn das Stück ein spannender und vor allem witziger Beitrag zu der Frage nach der Freiheit ist, ist es ja doch eine, die wohl nie abschließend geklärt werden kann und immer neuverhandelt werden muss. Das Stück glänzte durch die starken schauspielerischen Leistungen von Stephan Möller-Titel, Fritzi Oster und Christopher Weiß. Gekonnt schlüpften sie in die unterschiedlichsten Rollen. Von Showmaster, zu Pferd, zu Cowboy. Von Showgirl, zur Reporterin und Apothekerin. Schließlich der elektrische Reiter, der in seinem beleuchteten Cowboykostüm strahlte.

 

 

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