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Tanz

Freiraum #7: Tischgespräche (Thema: Förderinstitutionen)

Ein Nachmittag über die Sinnhaftigkeit von Metadiskussionen

Autorin: Neele Jacobi

Alles fängt ganz harmonisch an: mit Kuchen. Dorothee de Place, Leiterin des Klabauter Theaters im Hamburger Stadtteil Borgfelde, präsentiert einen Teilnehmerkuchen des Baumkuchenwettbewerbes, an dem eine Partnerschule des Theaters kürzlich teilgenommen hat. Ein echter Baumkuchen sei es eigentlich nicht – aber diese Diskussion soll an dieser Stelle nicht geführt werden. Zusammengekommen sind die rund 20 Personen schließlich nicht, um über Baumkuchen, sondern über die Förderlandschaft der Freien Szene zu sprechen. Geladen sind VertreterInnen verschiedenster Stiftungen – sowohl lokaler, als auch bundesweiter. Der reichlich vorhandene Kuchen wird schnell keine Rolle mehr spielen. Es besteht Redebedarf. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der anwesenden StifterInnen geht es schnell zur Sache.

VertreterInnen des DFDK (Dachverband Freie Darstellende Künste) beklagen mit Bezug auf das kürzlich publizierte Konzeptionspapier die deutlich zu geringen Fördersummen, aber auch die nicht (mehr) angemessene Art der Förderung. Im Kern sagen sie: mehr Geld, mehr Kontinuität, bessere Arbeitsstrukturen, mehr Vernetzung. Die StifterInnen verstehen diesen Wunsch und Hilferuf und loben die gemeinsame Stimme, mit der die Hamburger Freie Szene durch das Konzeptionspapier spricht. Dennoch sei das Nenenn von Priorisierungen empfehlenswert, wenn es darum gehe, welche Forderungen zuerst umgesetzt würden. Der DFDK betont angesichts der komplexen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Aspekten des Papieres die Schwierigkeit einer solchen Gewichtung. Um Zusammenhänge geht es auch in anderen Gesprächen an der großen Tafel, die eigentlich als Nebeneinander kleinerer Gesprächsrunden gedacht war. Im Laufe des Gesprächs kommt auf Seiten der StifterInnen auch die Frage auf, ob nicht eine Fokussierung der Förderung auf die KünstlerInnen und ihre konkreten Arbeiten möglich und sinnvoll sei beziehungsweise ob man als Förderinstitution die Rahmenbedingungen der Szene ignorieren kann und darf. Die Antwort, das wird mehr als deutlich, ist klar: KünstlerInnen sind nicht von den Strukturen, in denen sie arbeiten, zu trennen.

Wenngleich die erhoffte und angekündigte Fragerunde mit StiftungsvertreterInnen so nicht eintritt: der Metadiskurs scheint produktiv und zeigt die Notwendigkeit solcher Gesprächsformate. Es geht neben Fördertöpfen auch um die Berücksichtigung finanziell-organisatorischer Themen in den Ausbildungsinstitutionen, den Frust „alles selber regeln zu müssen“ und die Angst vor dem Antragschreiben. Diese Tischgespräche sind ein erster Schritt, Berührungsängste zwischen KünstlerInnen und FörderInnen abzubauen, Austausch zu ermöglichen und gegenseitiges Verständnis zu fördern. Manchmal kommen die Dinge anders, als man denkt: aber genau hierin liegt eine Chance, die es zu nutzen gilt!

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TRAUMSTUNDE oder TELEPROMTER PARADISE

von Saskia Menges

Endlich die Schuhe ausziehen, wie angenehm das ist. Die Bühne des Sprechwerks ist mit pastellblauem Teppich ausgelegt. Das Publikum von TELEPROMTER PARADISE durfte am gestrigen Freitagabend auf der Bühne Platz nehmen, die Schuhe mussten vorher ausgezogen werden. Der Zuschauerraum ist hinter schwarzen Stellwänden verborgen. Die Bühne wird so zur gemeinsamen Plattform für Künstler und Zuschauende. Im losen Kreis sitzen wir auf dem Boden, in unserer Mitte befinden sich drei Laptops und verschiedene kleinere Lautsprecher. Am hinteren Bühnenrand sind Mikrophone aufgebaut.

Drei KünstlerInnen treten in unsere Mitte und die Performance beginnt, die sich für mich zu einer Traumstunde entwickeln wird. Ein Typ mit ganz hellblondierten Haaren setzt sich an einen Laptop und beginnt elektronische Musik abzuspielen und dann und wann etwas zu singen, setzt sich schließlich Kopfhörer auf und kreiert so eine musikalische Welt, von der das Publikum abgekoppelt scheint. Ich glaube, es wird eine Liebesgeschichte in all seinen Stufen, von erster Verliebtheit bis zum Auseinanderbrechen einer Beziehung erzählt. Ganz genau weiß ich es aber nicht, weil ich mich von der Musik mitziehen und darauf treiben lasse. Ich beginne mit der elektronischen Musik und geloopten Gesängen der drei Kunstschaffenden zu träumen. Schrecke auf, als einer der drei sich Engelsflügel anzieht und durch das Publikum tanzt. Vielleicht ist er gerade glücklich verliebt?

Musik ist vorallem auch eine körperliche Erfahrung. Ich genieße es, dass wir im Rahmen dieser Performance nicht zwingend auf Stühlen sitzen müssen, sondern immer wieder unsere eigene Position verändern können. Andere im Publikum sehe ich sich mal hinlegen, dann wieder im Schneidersitz oder zurückgelehnt und auf die Hände gestützt. Wiederholend gibt es Bewegungen und Veränderungen der Positionen der Zuschauer. Man spürt zudem die Vibrationen der Bewegungen der Künstler, wenn sie über die Bühne schleichen oder zwischen den Besuchern tanzen. Die Performance von Leo Hoffmann spielte gestern Abend mit dieser Körperlichkeit, aber auch mit den verschiedenen elektrischen und digitalen Möglichkeiten von Musik, die hauptsächlich über Effektgeräte und Computer generiert wurden. Über verschiedene kleine Lautsprecher wurden Ebenen von Klängen erzeugt. Gebrochen durch Anrufe oder Gesang, der oft im Kontrast zum Tempo der Klänge stand. Am Ende war ich ganz weggeträumt und als ich nach dem Stück eine Besucherin noch liegend und an die Decke blickend frage, wie es ihr gefallen hat, antwortet sie: „Ich weiß nicht, ich brauche noch einen Moment. Ich glaube ich kann gerade einfach noch nicht reagieren, da musst du wohl wen anders fragen.“ Ich bleibe aber lieber liegen und träume noch ein kleinwenig weiter, von der nächsten schönen Liebesgeschichte.

 

Der Tod als Plastiktüte. Assoziationsschnipsel zu „Banshee Ragout – *EIN TOTEN/TANZ/STÜCK*

Autorin: Neele Jacobi

Eine Banshee (von Irisch-gälisch bean sí: „Frau aus den Hügeln“, mit der Bedeutung

„Frau aus dem Feenreich, Geisterfrau“, ältere Schreibung bean sídhe; vgl. schottisch-gälisch bean sìth, bean shìth oder bean-nighe) ist in der keltischen Mythologie und im Volksglauben Irlands ein weiblicher Geist aus der Anderswelt, dessen Erscheinung

einen bevorstehenden Tod ankündigt.

Dunkelheit. Auf der ansonsten leeren Bühne eine überdimensionale, schlammgraue Plane. Daneben zwei in Anzüge gekleidete Männer – irgendwas zwischen seriös und Maffia. Die Hände gefaltet. Sind wir zeugen einer Bestattung? Szenenwechsel. Eine Person betritt die Bühne, auf dem Kopf eine Maske aus Pappkarton. Sie beginnt zu tanzen. Die Maske erinnert mich an Totemkult und Ethnologiemuseen. Ist das eigentlich problematisch, eine solche Darstellung in diesem Kontext zu nutzen? Oder denkt die Kulturwissenschaftlerin in mir hier zu weit? Eine zweite Person mit Maske kommt hinzu. Sieht aus wie ein Bär. Häh? Ok, jetzt bin ich verwirrt. Zuckende, krampfartige Bewegungen. Im Programmheft stand, es geht um Tod und Leben – vielleicht ein Todeskampf? Dann kommt die Plane ins Spiel. Sie bewegt sich durch den Raum, Hände ragen aus ihr heraus, Füße. Die Plane – der Tod als Tüte – verschlingt, wirft hin und her, spuckt wieder aus. Ein Körper liegt bäuchlings auf der Bühne, auf seinem Rücken ein Skelett. Der Tod als immer schon zum Leben gehörend? Uns begleitend? Verstörende Geräusche vom Musikpult, an dem die Maffia-Boys vom Anfang hauchen, kratzen, schreien. Unbehagen stellt sich ein – irgendwie muss ich wegschauen. Silberne Totenmasken starren aus der Tüte ins Publikum. Nach 75 Minuten ist das Planenspektakel zu Ende.

Der Tanz, der Körper gerät in Banshee Ragout volkommen in den Hintergrund – beziehungsweise in die Plastiktüte. Beim anschließenden Publikumsgespräch wird gerade dies beklagt. Ich für meinen Teil finde gerade diesen Aspekt großartig. Eine simple, übergroße Plastikplane symbolisiert den Tod: das Ringen mit ihm, seine Omnipräsenz, seine Aura. Wenngleich die begleitenden Sounds streckenweise ohrenbetäubend sind, bevor sie am Ende in an Star Wars erinnernde pathetische Klänge übergehen, so tragen sie doch unheimlich zu düsteren, fast bedrohlichen Atmosphäre des Stückes bei.

Mein Fazit: halb so lang, doppelt so viel Plane – mega!

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Das Geheimnis der Zeit.

Das Künstlerkollektiv DIE AZUBIS zeigte am Klabauter Theater szenische Auseinandersetzungen mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Autorin: Saskia Menges

Eigentlich ist es doch seltsam. Unsere westliche Gesellschaft hat sich darauf geeinigt, Papier zu bedrucken, es in unterschiedliche Größen zuzuschneiden und es Geld zu nennen. Im Klabauter Theater konnte man dieses Geld-Papier gestern Abend an einer Stelle eintauschen, die Kasse hieß. Dort erhielt man gegen das bunte Geld-Papier ein anderes buntbedrucktes Papier, was Ticket genannt wird. Dieses Ticket-Papier legitimierte den Zahlenden (denn „zahlen“ oder „be-zahlen“, so heißt dieser Tauschvorgang von Papier gegen Papier) einen Raum zu betreten, der Theatersaal hieß. Die Eintretenden nahmen dann auf Stühlen Platz. So bildeten sie eine Gruppe und diese nennt sich, darauf hat man sich allgemein verständigt: Publikum. Das Publikum war im diesen Fall vor Ort, hat in diesem Fall Platz genommen, weil es ein Schauspiel ansehen wollte. Gestern Abend war es Die Zeitraffer – Ein Theatrales Assoziationsuhrwerk.

Ähnlich abstrakt wie mit dem Geld, dem Ticket, dem Theatersaal oder dem Publikum verhält es sich mit der Zeit. Die Gesellschaft hat sich darauf geeinigt, dass man „Zeit haben kann“ oder dass man sie sich „nehmen kann“. Dass es da etwas gibt, was man verlieren oder was einem gestohlen werden kann. In verschiedenen szenischen Motiven setzten sich die SchauspielerInnen mit diesen Bedeutungen von Zeit auseinander. Von philosophischen Monologen über die Zeit – mit einem Hinweis, dass die Hopi-Indianer kein Zeitempfinden besitzen – über Servicegespräche und Wartschleifen wurde mit allen Formen des Zeitverständnisses gespielt. Und schließlich wurde das Publikum befragt, ob es nicht eigene Lebenszeit sparen möchte, damit sich das die Lebensdauer eines vermeintlich todgeweihten verlängern könne. Eine Frage, die mich peinlich berührte. Würde ich das wollen? Und hier war ich dann auch ganz und gar an Momo, einen Roman von Michael Ende erinnert.

Bei Momo gibt es Grauen Herren, die die Menschen zum Zeitsparen einladen. Ähnlich wie in dem Roman wurde dem Publikum gestern Abend vorgerechnet, wie viel Zeit sie in ihrem Leben sparen würden, wenn sie nur auf eine Sache am Tag verzichteten. Es ergaben sich wilde Zeitrechnungen und Tages- und Jahresangaben, die man sich eigentlich im Hier und Jetzt gar nicht vorstellen und überhaupt nicht fassen kann. Und das ist doch auch das Geheimnis der Zeit … Bei Momo heißt es dazu:

„Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran teil, jeder kennt es, aber die wenigsten denken je darüber nach. Die meisten Leute nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bisschen darüber. Dieses Geheimnis ist die Zeit. Es gibt Kalender und Uhren, um sie zu messen, aber das will wenig besagen, denn jeder weiß, dass einem eine einzige Stunde wie eine Ewigkeit vorkommen kann, mitunter kann sie aber auch wie ein Augenblick vergehen – je nachdem, was man in dieser Stunde erlebt. Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen.“

Das seltsamste an diesem Abend war aber übrigens nicht die Sache mit dem Geld oder der Zeit. Sondern die Tatsache, dass ich auf einer Theaterbühne noch nie Menschen mit Behinderung erlebt habe, die im Klabauter Theater seit 1998 zum Ensemble gehören. Sie haben stark gespielt und mich sehr bewegt. Wo sind diese Menschen denn sonst in meinem Alltag? Warum sehe ich sie nicht in Stücken an anderen Häusern …? Diese Leute auch in anderen Kontexten zu erleben, wünsche ich mir – Und ich denke, es wird Zeit!

 

Blick ins Innerste. Philipp Joy Reinhardts „Bellybutton + Performance“.

Autorin: Neele Jacobi

In den ersten Minuten fällt Philipp Joy Reinhardts „Bellybutton“ genau in jene Klischeeschublade, in der ich einige zeitgenössische Performances lagere. Ein leerer industriell angehauchter Raum, ein Mann, oberkörperfrei, eine zu enge Leggins, neben ihm wahllos dazugestellt wirkende Gegenstände (in diesem Fall eine Möhre, eine PET-Flasche sowie ein Basketball. Im Hintergrund werden Bilder an die Wand geworfen, ich erkenne ein Bett, Duschgel- und Shampooflaschen. Dazu spricht jemand auf Englisch – leider verstehe ich nicht, was die Person sagt. Hm, denke ich, das könnten ganz schön lange 30 Minuten werden.

Kurz bevor ich mich in der Spirale des Wegdriftens verliere, bin ich plötzlich drin, im Text, im Bild. Verstehe die Anspielungen. „Bellybutton“ ist Anklage und – so könnte man sagen – Hilferuf zugleich. Absurde Regieranweisungen, die Philipp panisch und marionettenartig zu befolgen versucht, ständiger Präsentationsdrang und –zwang, Prekarität: so charakterisiert das Stück die Performing Arts Szene. „Viele meiner Freunde sind auch in der Szene tätig. Wenn ich sage, dass ich gerne zuhause bin, gerät das Gespräch oft in eine Sackgasse“ berichtet Philipp beziehungsweise der über die Wand des Raumes laufende Text. Und obwohl meine Freunde keine SchauspielerInnen, PerformerInnen oder RegisseurInnen sind, bin ich ganz bei Phillip. Ja, die Branche ist hart. Ja, sie bringt Menschen an ihre Grenzen. Ja, man muss sie kritisieren, zeigen, was schief läuft. Jemand tippt „Bitte zahl meine Miete“ in das Eingabefeld von Philipps Facebook Chronik. Jetzt teilen. Im Hintergrund ertönt das penetrante Dauergeheule eines Staubsaugers.

Selten hat sich mein Eindruck einer Performance innerhalb von nur 25 Minuten so gewandelt. Wenngleich mir das Anklagen der prekären Arbeits- und Lebensbedingungen kein absolut neuer Stückestoff der Freien Szene zu sein scheint, so ist Philipp Reinhardts Beschäftigung mit ihm doch eines ganz besonders: mutig, persönlich, unmittelbar. Warum eine Möhre geschält wurde, verstehe ich trotzdem nicht. Aber das macht vielleicht nichts.

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„Wenn jeder nur das macht, was er will, dann sind wir gar keine richtige Familie mehr“. „Jetzt bestimme ich“ – ein Streitstück über Machtverhältnisse, Gerechtigkeit und was Salat damit zu tun hat.

Autorin: Neele Jacobi

Zum Gebur…Happy Birth… Zum Gebur…Happy Birth… STOP! Mama ist verzweifelt. Na das geht ja gut los. Familie Wiefel – das sind Mama, Papa, Anki und ihr kleiner Bruder Spätzchen – sind eigentlich eine ganz normale Familie. Doch wenn es darum geht, etwas zu entscheiden, ist Streit vorprogrammiert. Sie kennen das von sich und Ihren Liebsten? Klar, das rosarote Familienidyll – Familie Wiefel trägt es als rosafarbene Familienuniform am Leib – aus Werbung und Träumen hat mit der Realität wenig zu tun. Doch die Wiefels sind echte Sturköpfe. Geburtstagslied, Ausflugsziel, Abendessen: hier zieht jeder sein Ding durch, komme was da wolle. Anhänger eines radikalen Liberalismus, die den Menschen als Nutzenmaximierer – als homo oeconomicus – betrachten, würden das wohl gutgeheißen. Die Folge dieses „jeder macht was er will“-Verhaltens zeigt sich bei den Wiefels jedoch ab Minute eins: Dauerstreit. Und entschieden ist auch nichts.

Das inklusive Ensemble „Meine Damen und Herren“ stellt in diesem Streitstück viele Fragen. „Kinder mit nem Willen, kriegen was auf die Brillen“ hat man zu mir immer gesagt, als ich klein war. Wieso gilt das nicht auch für Erwachsene? Wieso können nicht Anki oder Spätzchen bestimmen, ob es Rollmops oder Pommes zum Essen gibt? Oder Publikumsliebling Rainer-Maria, die Schildkröte der Familie? Tiere haben schließlich auch Rechte! Spielerisch und ohne große theatrale Gesten oder Performance-Fancyness versucht dieses Stück Antworten zu finden. Bestimmer-Karussell, Basisdemokratie, Losverfahren, Wettrennen, Ausdiskutieren, Zuständigkeitsbereiche – an Kreativität mangelt es Familie Wiefel zweifelsohne nicht. Doch egal, welche neue, vermeintlich geniale Idee sie ausprobieren: es funktioniert nicht. Und so stellt Spätzchen kurz vor Ende des Stückes traurig fest: „Wenn jeder nur das macht, was er will, dann sind wir gar keine richtige Familie mehr“.

Und genau darum scheint es den Regisseurinnen Charlotte Pfeifer und Martina Vermaaten, sowie dem gesamten Team hier zu gehen. Immer nur wollen, das geht nicht. Und streiten, das gehört nicht nur zum Familienleben, sondern auch zum gesellschaftlich-politischen Leben dazu. Dass das Stück mit einer demokratischen Wahl des Familienbestimmers für die erste familiäre Regierungsperiode, aus der Papa als Wahlsieger hervorgeht, endet, ist somit auch ein klares politisches Signal.

Wenngleich das Stück mit den ewigen Streitereien in einigen Passagen so redundant wie Rainer-Marias ewige Forderung nach „Salat“ daherkommt, so ist es doch angenehm unaufgeregt. Mit einer Menge Humor erzählt es vom groß werden und groß sein, von Gerechtigkeit und Demokratie. Das Publikum ist begeistert – und ich bin es auch.